Fragen und Antworten rund um die Vogelgrippe
- Sind Vogelgrippe-Viren für Menschen gefährlich?
- Inwieweit ist die derzeit grassierende Vogelgrippe für Deutschland eine Gefahr?
- Würde ein Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland frühzeitig erkannt werden?
- Können Eier und Hühnerfleisch hierzulande weiterhin unbedenklich verzehrt werden?
- Kann man beruhigt in Länder reisen, in denen die Vogelgrippe auftritt?
- Worauf ist bei der Rückreise nach Deutschland zu achten?
- Was sollte man bei einer „grippeähnlichen“ Erkrankung nach Rückkehr aus einem Land mit Vogelgrippe tun?
- Kann die Vogelgrippe medikamentös behandelt werden?
- Warum wäre eine weltweite Grippe-Welle durch Vogelgrippe-Viren so gefährlich?
- Ist eine vorbeugende Impfung des Geflügels möglich und sinnvoll?
- Kann man sich durch die Grippe-Impfung vor der Vogelgrippe schützen?
- Was wird getan, um die Verbreitung der Vogelgrippe zu stoppen und eine mögliche Übertragung auf den Menschen zu verhindern?
- Gibt es eine Impfung gegen die H5N1 Vogelgrippe?
Sind Vogelgrippe-Viren für Menschen gefährlich?
Die Vogelgrippe ist eine Tierseuche und in erster Linie für Geflügel gefährlich. Die meisten Vogelgrippe-Erreger sind für den Menschen harmlos. Das derzeit grassierende Vogelgrippe-Virus vom Subtyp H5N1 kann jedoch auch auf den Menschen übergehen. Dies geschieht selten und auch nur bei Personen, die intensiven Kontakt mit infiziertem Geflügel haben.
Inwieweit ist die derzeit grassierende Vogelgrippe für Deutschland eine Gefahr?
Momentan gibt es keine Hinweise darauf, dass einheimisches Geflügel durch Zugvögel oder illegal eingeführte Vögel infiziert wurde. Allerdings werden die Länder und Regionen verschärft beobachtet, in denen Vogelgrippe-Fälle auftreten. Ein nach Deutschland eingeschlepptes Virus H5N1 wäre in erster Linie eine Bedrohung für das Geflügel. Würde die Vogelgrippe auch hierzulande auftreten, müssten Personen mit engem Kontakt zu infizierten Tieren (z.B. Geflügelzüchter) geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen. Für die allgemeine Bevölkerung ist derzeit kein Risiko erkennbar.
Würde ein Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland frühzeitig erkannt werden?
Deutschland verfügt über ein Überwachungssystem für Influenza, das in der Lage ist, das Auftreten eines Vogelgrippe-Falls im Bundesgebiet frühzeitig zu erkennen. Bisher ist hierzulande noch kein solcher Fall aufgetreten. Das Nationale Referenzzentrum für Influenza verfügt über Testverfahren, mit denen sich auch Vogelgrippe-Viren vom Subtyp H5N1 zuverlässig nachweisen lassen. Bereits innerhalb weniger Stunden würden die Ergebnisse vorliegen.
Können Eier und Hühnerfleisch hierzulande weiterhin unbedenklich verzehrt werden?
In Deutschland ist es nach wie vor völlig unproblematisch, Geflügel und Eier zu essen. Zum Schutz der Verbraucher wurde vorsorglich ein EU weites Importverbot von Geflügel und Geflügelprodukten aus den von der Vogelgrippe betroffenen Staaten erlassen. Das Risiko einer Infektion über Lebensmittel ist deutlich geringer als durch direkten Kontakt mit infiziertem Geflügel.
Kann man beruhigt in Länder reisen, in denen die Vogelgrippe auftritt?
Ja, denn für keines der Länder gibt es offizielle Reisewarnungen des Auswärtigen Amts. Allerdings sollten Touristen keine Vögel- bzw. Geflügelmärkte aufsuchen und auch sonst jeglichen Kontakt mit Federvieh meiden. Aus Sicherheitsgründen sollte auch auf Kontakt mit Menschen, die sich bereits mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert haben, verzichtet werden. Geflügelfleisch sollte in betroffenen Ländern – wenn überhaupt – nur gut durchgegart (bei 70°C) verzehrt werden, rohe Eier sind Tabu. Generell ist die Grippe-Schutzimpfung für Reisende zu empfehlen, um das Risiko einer Vermischung des Erbguts menschlicher und tierischer Influenza-Viren zu reduzieren.
Worauf ist bei der Rückreise nach Deutschland zu achten?
Geflügelfleisch und Geflügelerzeugnisse aus den von der Vogelgrippe befallenen Staaten dürfen nicht nach Deutschland eingeführt werden. Dies gilt auch für Eier oder Federn. Der Import lebender Vögel ist unabhängig vom Herkunftsland generell untersagt und strafbar.
Was sollte man bei einer „grippeähnlichen“ Erkrankung nach Rückkehr aus einem Land mit Vogelgrippe tun?
Wenn die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen beachtet wurden, kann man eine Infektion mit dem gefährlichen Virus H5N1 praktisch ausschließen. Dann sind andere Ursachen wahrscheinlicher, z.B. eine saisonale Grippe, Dengue-Fieber oder Malaria. Es sollte bei grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber und starker Abgeschlagenheit grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden.
Kann die Vogelgrippe medikamentös behandelt werden?
Nach bisherigen Untersuchungen sind vermutlich nur die so genannten Neuraminidasehemmer gegen das Vogelgrippe-Virus H5N1 wirksam. Diese antiviralen Substanzen wirken auch gegen andere Influenza-A-Subtypen (z.B. H1N1 oder H3N2) und müssen spätestens 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden. Ansonsten ist die Vermehrung der Viren schon zu weit fortgeschritten. Für das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 liegen allerdings noch keine ausreichenden Erfahrungen mit diesen Medikamenten beim Menschen vor.
Warum wäre eine weltweite Grippe-Welle durch Vogelgrippe-Viren so gefährlich?
Experten befürchten, dass das Vogelgrippe-Virus vom Subtyp H5N1 sich genetisch so verändern könnte, dass es wie gewöhnliche menschliche Grippe-Erreger von Mensch zu Mensch übertragbar wäre. Dies wäre der Fall, wenn Vogelgrippe-Viren die Artengrenze überspringen und sich mit menschlichen Grippe-Viren kreuzen, d.h. genetisches Material untereinander austauschen. Das so entstehende neue Influenza-Virus wäre für das menschliche Immunsystem völlig unbekannt und würde auf eine ungeschützte Bevölkerung treffen. Die Infektion würde deshalb viel schwerer verlaufen. Ein solches „Super-Virus“ könnte sich in kurzer Zeit pandemisch, d.h. über die ganze Welt verbreiten und Millionen Menschen lebensgefährlich infizieren.
Ist eine vorbeugende Impfung des Geflügels möglich und sinnvoll?
Eine Impfung von Geflügel gegen Vogelgrippe ist derzeit in Deutschland nicht erlaubt. Sie ist nach Meinung der Experten nur sinnvoll, wenn die Gefahr besteht, dass die Tierseuche außer Kontrolle gerät. Geimpfte Vögel sind allerdings anhand der diagnostischen Tests nicht von infizierten Vögeln zu unterscheiden und müssen im Falle eines Ausbruchs auch getötet werden. Mit einem neuartigen Impfstoff, der sich noch in der Prüfung befindet, könnten durch ein spezielles Markersystem geimpfte von infizierten Vögeln unterschieden werden. Der Impfstoff hätte zudem den Vorteil, dass er nicht einzeln gespritzt, sondern über Sprays oder das Trinkwasser verabreicht werden könnte.
Kann man sich durch die Grippe-Impfung vor der Vogelgrippe schützen?
Der Impfstoff gegen die menschliche Virusgrippe schützt nicht vor der Vogelgrippe. Jedoch ist die Grippe-Schutzimpfung zu empfehlen – insbesondere bei Aufenthalten in Regionen, in denen die Vogelgrippe vorkommt. Denn durch die Impfung kann verhindert werden, dass es zu einer gleichzeitigen Infektion mit menschlichen Grippe-Viren und dem Vogelgrippe-Virus kommt und durch einen Gen-Austausch ein neues, hochansteckendes Virus entsteht.
Was wird getan, um die Verbreitung der Vogelgrippe zu stoppen und eine mögliche Übertragung auf den Menschen zu verhindern?
Die Regierungen der betroffenen Länder kooperieren mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Welternährungs- und Landwirtschaftsbehörde (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), um z.B. durch gezielte Geflügeltötungen, Desinfektionsmaßnahmen oder Importverbote die Übertragung auf den Menschen zu verhindern.
Gibt es eine Impfung gegen die H5N1 Vogelgrippe?
Im Mai 2008 wurde erstmals ein H5N1 Impfstoff in Europa zugelassen.
Dieser sogenannte Präpandemie-Impfstoff ist vor allem für die Bevorratung im Rahmen der Pandemievorbereitung gedacht. Eine Entscheidung auf Regierungsebene über die Bevorratung eines solchen Impfstoffs für die Bevölkerung wurde bisher noch nicht getroffen.
